Verteidigung des Verteidigungsministers
“Sie müssen durchhalten”, sagte ich dem Verteidigungsminister im Gespräch bei Maybrit Illner am 10. Dezember 2009 in Berlin immer wieder. Während und nach meiner Dienstzeit bei der Bundeswehr habe ich viele Politiker, Minister und selbst den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder persönlich kennengelernt. Bei keinem hatte ich einen dermaßen positiven Eindruck wie bei unserem jetzigen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Dieser Mann setzt sich nach bestem Wissen und Gewissen für seine Soldatinnen und Soldaten ein. Deshalb ist es für mich völlig unverständlich, dass Politiker verschiedener Parteien versuchen, den Hoffnungsträger der Truppe zu diskreditieren oder gar zum Rücktritt zu bewegen. Wann verstehen die Damen und Herren der Politik endlich, dass man kompetente Personen nicht danach beurteilen sollte, welcher Partei sie angehören, sondern mit welchem Engagement sie eine Sache verfolgen.
Kameraden, Freunde und Mitstreiter haben uns zum Wohl der Truppe Informationen zu dem Zwischenfall am 4. September 2009 in Kundus zukommen lassen. Diese Informationen lagen nachweislich auch den Personen vor, die heute versuchen Herrn zu Guttenberg in Misskredit zu bringen. Jeder Mensch mit ein wenig militärischem Sach- und gesundem Menschenverstand kann diesen Angaben entnehmen, dass die Entscheidung, die Oberst Klein an diesem Tage getroffen hat, keiner der ihm vorliegenden Befugnisse zuwiderlief. Es lässt sich an ihnen sogar ablesen, dass selbst politische Vertreter der afghanischen Seite diesen Luftschlag befürwortet haben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es unheimlich schwer ist, eine Entscheidung zu fällen, die Menschenleben kosten kann. Das macht man nicht aus einer Laune heraus, sondern um seine Kameraden zu schützen oder seinen Auftrag zu erfüllen. Bei Oberst Klein war es, so viel kann ich sagen, nicht anders.
Des Weiteren ergibt sich bei der Lektüre dieser Berichte eine Frage, die ich auch schon bei Maybrit Illner stellte: Warum steigen die Opferzahlen plötzlich an, nachdem die Bundesregierung eine Entschädigung in Millionenhöhe zusagte. Auch ist es sehr verwunderlich, dass deutschen Ermittlern ein nahezu klinisch reiner Ort des Geschehens vorgeführt wurde. Aber am fragwürdigsten ist doch die Tatsache, dass einige von denen, die damals die politische Verantwortung trugen, den jetzigen Verteidigungsminister als Sündenbock hinstellen. Und das obwohl dieser damals noch gar nicht im Amt war.
Wie jeder weiß, haben die Oppositionsparteien, bis auf eine Ausnahme, eine vernichtende Niederlage bei der letzten Bundestagswahl einstecken müssen. Nun sind sie scheinbar bestrebt, sich durch eine künstlich hervorgerufene „Affäre“ wieder zurückzumelden. Wann versteht man endlich, dass unsere Soldatinnen und Soldaten in erster Linie für ihr Land kämpfen und nicht für irgendeine Partei. Es ist ihnen völlig unverständlich, dass hier in der Heimat solche Diskussionen auf dem Rücken der Bundeswehr ausgetragen werden. Haltet ihnen endlich den Rücken frei!!!!
Einige Sätze noch an unseren Verteidigungsminister: Halten Sie durch, bleiben Sie, wie Sie sind, verfolgen Sie weiterhin Ihren Kurs. Denn für die Truppe sind Sie endlich der glaubwürdige und integre Repräsentant, den sie sich schon seit Jahren gewünscht hat.
Mit kameradschaftlichen Grüßen an alle da draußen, passt auf Euch auf.
Allzeit Glück ab.
Achim
Der Beitrag wurde am Dienstag, den 15. Dezember 2009 um 16:45 Uhr veröffentlicht und wurde unter Blog abgelegt. Sie können die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.
3 Reaktionen zu “Verteidigung des Verteidigungsministers”
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Von: Frank
Mensch, mensch, bleiben wir doch einmal ausgewogen und lassen nicht unerwähnt, dass Ihr Minister den Angriff als “unangemessen” bezeichnet hat. Eine Bewertung, die sich von Ihrer und der Ihrer Kollegen diametral unterscheiden dürfte. Außerdem hat er Ihren militärischen Oberboss Werhan zur öffentlichen Hinrichtung freigegeben, um die eigene Haut zu retten. Vor diesem Hintergrund sind Ihre Durchhalteparolen nicht nachvollziehbar. Mit dem Geld, das in A. verplempert wird, sollte man lieber den Aufbau von afghanischen Polizei- und Militärstrukturen finanzieren und die arabischen Nachbarn einbinden.
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Von: Yvonne
Ich seh es ähnlich wie Frank es hier bereits geschrieben hat. Mit seiner Kehrtwende hat sich der Minister keinen Gefallen getan. Es hat einen unschönen Beigeschmack, wenn man sich erst vor die Kamera stellt und sagt, es gibt in Teilen Afghanistans kriegsähnliche Zustände, aber das Resultat aus diesen kriegsähnlichen Zuständen dann andererseits nicht vertreten möchte. Es gibt keine Grauzone, auch wenn das vielleicht einfacher zu handhaben wäre. Die Soldaten vor Ort müssen auch klare Entscheidungen treffen und genau das hat Oberst Klein getan. Ich erwarte von zu Guttenberg, dass er seine Position bzgl. der Bundeswehr ebenso souverän und unbequem vertritt, wie er dies im Fall Opel getan hat. Der Anfang war gut und ich habe immernoch die Hoffnung, dass er langsam dazulernt. Denn durch sein Eingeständniss hat er sich selbst wohl den größten Schaden zugefügt, indem er der Opposition, die heute heuchlerich mit nichts mehr was zu tun gehabt haben will, Tür und Tor geöffnet hat, für unsinnige und unnötige Diskussionen. Während der Soldat vor Ort immernoch keine Rechtssicherheit hat. Und hierüber müsste man eigentlich diskutieren. Aber, ob deutsche Soldaten sterben ist in der Politik nach wie vor irrelevant. Übernehmt endlich Verantwortung für die Soldaten, die ihr in den Einsatz ohne Ziel schickt, denn das ist das Mindeste was Ihr Ihnen schuldig seid! Gebt Ihnen endlich die Sicherheit an die Hand den ersten Schlag zu tätigen, bevor es die Taliban tun!
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Von: Tilo
Sicherlich hat sich unser Verteidigungsminister vielleicht nicht den größten Gefallen getan, indem er so gehandelt hat, wie er gehandelt hat.
Aber ich sehe es auch so, dass Karl-Theodor zu Guttenberg einer von ganz wenigen Politikern mit Rückrat ist. Und bin ebenso der Meinung, dass er der fähigste Verteidungsminister ist, den dieses Land in den letzten 20 Jahren hatte. Soweit ich mich erinner kann, haben seine Vorgänger Veränderungen und Verbesserungen bei der Bundeswehr gescheut, wie der Teufel das Weihwasser.
Voraussetzung dafür, dass er längst notwendige Veränderungen vornehmen kann ist aber, dass er auch im Amt bleibt.
Es ist typisch für die Politik und die Oppositionsparteien, dass sie nach einem solchen Wahldesaster nur zu gern mit dem Finger auf andere zeigen, wann immer es ihnen möglich ist. Es ist aber gleichermaßen beschämend, dass dieses Politikum auf dem Rücken und zum Leidwesen derer ausgetragen wird, die auf Grundlage eines Mandates in einen totgefährlichen Job geschickt werden. Dass Krieg und alle damit in Verbindung stehenden Synonyme unpopulär sind, ist wohl unstrittig. Aber es gibt Länder, in denen den Soldaten wenigstens der Respekt entgegen gebracht wird, der ihnen gebührt. Und da haben wir noch verdammt viel Nachholbedarf!!!