Monatsarchiv für Februar, 2010

Afghanistan-Konferenz, ein Erfolg?03/02/10 von Econ

Stolz hat die Bundesregierung auf der in der vergangenen Woche stattgefundenen Afghanistan-Konferenz in London ihren Vier-Säulen-Plan präsentiert. Ist die Freude berechtigt? Immerhin ist es als Erfolg zu verbuchen, dass das erste Mal seit Beginn des Krieges in Afghanistan überhaupt so etwas wie ein Plan präsentiert wird.

Was beinhaltet der Plan? Afghanische Polizei und Militär ausbilden zu wollen, ist nicht wirklich neu. Die Förderung ziviler Hilfsprojekte ebenfalls nicht. Überraschend kommt dagegen das Vorhaben der Bundesregierung, „gemäßigte Taliban“ mit finanziellen Mitteln von Anschlägen auf alliierte Streitkräfte abhalten zu wollen. Das kommt nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch vielen Soldaten fragwürdig vor. Wie will man das durchsetzen und vor allen Dingen kontrollieren?

Glaubt die Regierung wirklich, Geld würde Terroristen auf lange Sicht dazu bringen, ihre tödlichen Angriffe zu unterlassen? Wenn das überhaupt funktioniert, dann nur, wenn die Zahlungen sobald nicht eingestellt werden. Und fließt einmal eine bestimmte Menge von Geld, gibt es nach oben keine Grenzen. Die Bundesregierung müsste sich darauf einstellen, immer tiefer in die Tasche der Steuerzahler zu greifen. Ein Ende wäre nicht absehbar. Wie soll man nun aber der deutschen Bevölkerung erklären, dass es zwar genug Geld für Terroristen gibt, zu wenig jedoch dagegen, um es denen zu geben, die im eigenen Land so wenig verdienen, dass sie davon kaum leben können.

Dieser Plan wird unseren Truppen in Afghanistan nicht weiterhelfen. Vermutlich fördert er sogar noch die Anschläge. Je mehr Geld gezahlt wird, desto mehr Angriffe könnte es geben, um die Notwendigkeit der Zahlungen zu demonstrieren.

Wenn das die neue Strategie für die Befriedung Afghanistans ist, ist der Militäreinsatz am Hindukusch meiner Ansicht nach nicht mehr zu retten. Nach und nach erfährt die deutsche Öffentlichkeit, wie verheerend die Zustände dort wirklich sind: Ein gerade aus Afghanistan heimgekehrter Kamerad, der dort eine Führungsposition inne hatte, bestätigte mir zum Beispiel, dass das Bestechen von Provinzgouverneuren mit sechsstelligen Geldbeträgen mittlerweile vollkommen normal ist. Von gewalttätigen Angriffen sind deswegen weder die ausländischen Truppen noch die afghanische Zivilbevölkerung verschont geblieben. Eigentlich entlarven die Verhältnisse vor Ort das „Aussteiger-Programm“ der deutschen Politik schon jetzt als völlig unzureichend.

An alle draußen passt auf Euch auf, allzeit Glück ab.

Achim

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