Monatsarchiv für November, 2009

Weiter so …16/11/09 von Econ

Endlich klare Worte!

Der neue Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat bereits in den ersten zwei Wochen seiner Amtzeit geschafft, was seine Vorgänger seit Jahren nicht zu Wege gebracht haben. In der Beurteilung der aktuellen Zustände im umkämpften Afghanistan redet er Klartext, und er bemüht sich um eine neue Form der Politik. 

Dabei ist es besonders wichtig, dass er als erster führender Politiker bestätigt, was so viele der in Afghanistan kämpfenden Soldaten immer wieder betont haben: In Afghanistan ist KRIEG! Er spricht den Soldaten damit aus der Seele. Außerdem prangert er die veralteten Vorschriften und Vorgehensweisen der Bundeswehr an und hat sich vorgenommen, die skandalösen bürokratischen Strukturen abzubauen. Das lässt hoffen. 

Um Afghanistan nachhaltig wieder aufzubauen, bedarf es einer kompetenten afghanischen Regierung. Guttenberg hat den weiteren Einsatz der Bundeswehr darum an Bedingungen geknüpft und Hamid Karsai aufgefordert, konsequent gegen die weitverbreitete Korruption im Lande vorzugehen. Das Gespräch mit dem afghanischen, nur durch Wahlbetrug ins Amt gelangten Präsidenten, dürfte ihm mit Sicherheit nicht leicht gefallen sein. Aber er hat seine Forderungen klar und deutlich formuliert. Genauso wie die Regierungschefs und Militärs anderer Nationen will er Ergebnisse sehen. Erst dann wird er über das weitere Vorgehen in Afghanistan entscheiden. Mit dieser Geradlinigkeit hat er sich bei den deutschen Einsatzkräften große Sympathien erworben. Er spricht und handelt, wie die Soldaten es sich erhoffen. 

Auch bei seinem Besuch in den verschiedenen Standorten der Bundeswehr in Afghanistan hat er den richtigen Ton getroffen. Er zollte unseren Soldaten Respekt und Anerkennung, nahm ihre Sorgen ernst und fand deutliche Worte zur Lage, mit denen sich jeder Soldat vor Ort identifizieren konnte. Dafür bekommt er schon jetzt, in seiner noch sehr kurzen Amtszeit, den Respekt der ganzen Truppe – das entnimmt man den vielen Nachrichten, die aktive Soldaten aus Afghanistan geschickt haben. Die Tatsache, dass er im Januar 2010 eine Infanteriekompanie nach Kundus verlegen wird, spricht weiterhin für seine Fachkompetenz. Wir beklagen schon seit Jahren, dass es zu viele „Häuptlinge“ und zu wenige „Indianer“ gibt. Die Verlegung dieser Infanteriekompanie ist der erste Schritt in die richtige Richtung. 

Wir hoffen nur, dass diese Infanterieeinheit eine bessere Vorausbildung besitzt als die Soldaten, die in den letzten Wochen immer wieder in meinem Büro erschienen sind. Die Jungs kamen, um sich hilfreiche Tipps  für ihre Vorbereitung auf den Auslandseinsatz zu holen. Dabei musste ich leider feststellen, dass einige Anwärter erneut „Opfer“ einer sehr schlechten und unrealistischen Darstellung der Situation und Bedingungen in Afghanistan geworden waren. Ich schaute darum nicht selten in ungläubige und entsetzte Augenpaare, wenn ich von meiner Zeit am Hindukusch erzählte.

Gerade diesen Kameraden wünsche ich für ihre Kontingentzeit das größte und beste Soldatenglück, und kommt heile an Körper und Geist zurück.

Dem Verteidigungsminister wünsche ich weiterhin Fingerspitzengefühl und Soldatenglück. 

Mit kameradschaftlichen Grüßen an alle, passt auf Euch auf. Allzeit Glück ab.

 Achim

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