Monatsarchiv für Oktober, 2009
Hoffnung keimt auf29/10/09 von Econ
Es ist entschieden: Der neue Verteidigungsminister heißt Karl-Theodor zu Guttenberg.
Guttenberg war Wehrpflichtiger bei der traditionsreichen Truppe der Gebirgsjäger und ist Unteroffizier der Reserve. Anders als seine Vorgänger gehört er mit seinen jungen Jahren einer neuen Generation an. Aufgrund seiner privaten Verhältnisse scheint er sich im Gegensatz zu manch anderem Politiker zudem nicht durch ein rücksichtsloses Karrierestreben auszeichnen zu müssen.
Er vertritt eine Generation von Deutschen, die sich in nicht unerheblichem Maße selbst einmal als Soldat für eine kurze oder auch längere Zeit in einem Auslandseinsatz befanden. Er kann die Gedanken dieser Menschen mit all ihren Sorgen und Nöten darum mit Sicherheit besser nachvollziehen als seine sehr viel älteren Vorgänger. Wir alle sind gespannt, ob er den Afghanistaneinsatz als das bezeichnen wird, was er ist – nämlich als KRIEG. Auch warten wir gebannt darauf, ob er seine Angewohnheit, Klartext zu reden und unangenehme Dinge anzusprechen, in Sachen Verteidigungspolitik beibehält. Es wird sicher nicht ganz einfach, die Belange seiner Untergebenen gegenüber den machtorientierten Kollegen des Bundestages zu vertreten. Es wäre für alle wünschenswert, wenn er seine Ankündigung umsetzt, mehr Fachpersonal als Berater hinzuziehen. Dabei käme es darauf an, Personen aus allen Dienstgradgruppen auszuwählen, die einschlägige Erfahrungen in Afghanistan gemacht haben. Das wäre schon mal ein erster positiver Schritt in die richtige Richtung. Guttenberg würde es glaubwürdiger machen, und es würde ihm zudem Respekt von denjenigen eintragen, die tagtäglich ihr Leben für ihr Land riskieren.
Ein weiterer positiver Aspekt ist die Tatsache, dass sich auch ein Generationswechsel an der Spitze der militärischen Führung anbahnt. Wir haben genug qualifizierte, gute Offiziere in den Führungsstäben, die jetzt zum Zuge kommen sollten. Wir hoffen, dass der neue Verteidigungsminister sich wirklich dabei durchsetzen kann, das Personal in den Führungsriegen zu verbessern. Wer auch immer in der Zukunft die Belange der Bundeswehr und ihrer Soldaten und Soldatinnen in die Hand nehmen wird, eins ist sicher: Die richtigen Entscheidungen treffen, das kann nur, wer die Sorgen, die Nöte, die Anstrengungen, die Entbehrungen und die Ängste geteilt hat, die die Soldaten und Soldatinnen in ihrem Auslandseinsatz tagtäglich empfinden. Man muss die Umstände und Verhältnisse kennen, unter denen die Einsätze durchgeführt werden. Nur dann kann man wissen, welche Mängel es gibt und wie sie zu beseitigen sind.
Darum ein Appell an den neuen Verteidigungsminister:
Ziehen Sie einen ausgewogenen Beraterstab auf Ihre Seite und versuchen Sie als Soldat zu denken und nicht nur als Politiker!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles soldatische Glück und verbleibe mit kameradschaftlichen Grüßen
Achim Wohlgethan
An alle in den Einsatzländern, passt auf Euch auf, allzeit Glück ab!
Achim
Verwunderung15/10/09 von Econ
Nun ist es also von höchster Stelle bestätigt. Der Sieg von Hamid Karsai in der afghanischen Präsidentschaftswahl vom 20. August ist nur durch erheblichen Wahlbetrug zustande gekommen. Laut den Vereinten Nationen gab es bei der Stimmauszählung massive Unregelmäßigkeiten. In manchen Provinzen wurden dreimal so viel Stimmen gezählt, als abgegeben worden sind. Aber von unseren Politikern kein Wort. Nach wie vor stehen sie kritiklos zu der afghanischen Regierung. Akzeptieren das Wahlergebnis, obwohl es bereits von Beginn an Hinweise auf Betrug gegeben hat. Für mich völlig unverständlich.
Genauso verwundert bin ich über eine andere Sache. Dass auf dem afghanischen Schwarzmarkt ehemalige Bundeswehrwaffen gehandelt werden, ist seit langem bekannt. Trotzdem scheint diese Nachricht hochrangige deutsche Politiker zu überraschen. Dabei haben mein Co-Autor Dirk Schulze und ich bereits vor einiger Zeit in unserem ersten Buch „Endstation Kabul“ darüber geschrieben. Aber das wollte man ja nicht hören. Oder warum hätte man uns sonst Unwissenheit und Unkenntnis vorwerfen sollen.
Das Zustandekommen dieses illegalen Handels ist ganz einfach zu erklären. Die korrupte afghanische Regierung steckt die Gelder, die sie von den Koalitionspartnern als Aufbauhilfe erhält, nämlich in ihre eigene Tasche. Sie setzt sie nicht dafür ein, den Polizisten und Soldaten ordentliche Gehälter zu zahlen oder sie mit den notwendigen Sicherheitsapparaturen auszustatten. Und diese Männer, die tagtäglich ihr Leben zum Schutz der Regierung und des Landes einsetzen, haben noch nicht einmal genug Geld, um ihre Familien zu ernähren. Notgedrungen sehen sie sich dazu gezwungen, ihre Ausrüstung, aber auch ihre Waffen auf den Schwarzmarkt anzupreisen.
Man muss schon sehr blind und verbohrt sein, wenn man sich über so eine Tatsache überhaupt noch wundert. Ich verstehe nicht, warum dieses Thema trotz besseren Wissens immer noch totgeschwiegen wird. Warum niemand um eine öffentliche Aufklärung bemüht ist. Diese würde nicht nur die Situation der afghanischen Bevölkerung verbessern, sondern auch dem Ansehen der deutschen Bundeswehr gut tun.
Realitätsfremde und linientreue Verantwortungsträger ersticken jedoch jede Hoffnung dazu im Keim. Wo bleiben nur die deutschen Politiker, die bei diesem Thema mit Fachkompetenz und ehrlichem Engagement in der Öffentlichkeit glänzen? Es ist zum Verzweifeln.
An alle in den Einsatzländern, passt auf Euch auf.
Glück ab
Achim
Trauer und Aufforderung07/10/09 von Econ
Wir trauern um einen Kameraden der Fallschirmjäger, der zu unserem tiefsten Bedauern an den Folgen eines heimtückischen Selbstmordanschlages vom 06. August 2008 durch die radikal-islamische Taliban gestorben ist. In tiefer Anteilnahme sind wir bei den Hinterbliebenen und Freunden.
Ich freue mich, dass sich die Leser meiner Bücher und die User dieser Homepage durch Kommentare und Leserbriefe selbst zu der Afghanistanproblematik zu Wort melden. Mit Interesse und Respekt verfolge ich die Diskussionen, die zwischen den Teilnehmern der Seite ausgetragen werden. Das zeigt mir, dass sich viele in Bezug auf die schwierige und gefährliche Situation unserer Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan genauso fühlen wie ich und dass sie der Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch ebenso stark beschäftigt.
Ich möchte Euch alle auffordern, Eure Meinung zu diesem Thema weiter kundzutun.
So erhöhen wir kontinuierlich den Druck auf die Verantwortlichen in der Politik. Irgendwann kommen sie dann nicht mehr daran vorbei, sich mit sach- und fachkundigen Personen – zu denen wir durch unseren Einsatz ja auch gehören – auseinanderzusetzen. Nur so können wir eine positive Veränderung bewirken, für unsere Kameradinnen und Kameraden, aber auch für deren Angehörigen.
Noch steckt die neue Regierung in Koalitionsverhandlungen fest. Die Personen, die für den Job des Verteidigungsministers gehandelt werden, lassen allerdings nichts Gutes hoffen. Die deutsche Bundeswehr steht in Afghanistan vor äußerst schwer zu lösenden Problemen. Aber wieder einmal scheint sich zu zeigen, dass parteipolitisches Kalkül eine tatsächliche Lösung verhindert. Nicht die Kompetenz der Anwärter, sondern das Geschacher um die Ministerposten entscheiden, wer unsere Armee demnächst führen wird. Das ist höchst ärgerlich.
Mit trauernden Grüßen und dem Aufruf an alle in den Einsatzländern, weiterhin auf Euch aufzupassen
Allzeit Glück ab.
Achim
Einen sehr sehenswerten Film zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr findet ihr hier.