Monatsarchiv für September, 2009
Fortschritt? Rückschritt? Hoffnung?28/09/09 von Econ
Es ist Sonntag, der 27. September 2009 um 19.42 Uhr. So eben kamen die Ergebnisse der Bundestagswahlen im Fernsehen. Überall werden mehr oder weniger fröhliche Wahlpartys gefeiert. Die meisten unserer Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz haben gebannt auf das Wahlergebnis gewartet. Es wird wohl eine neue Bundesregierung geben. Viele fragen sich, ob diese eine Verbesserung für unsere Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz bewirken wird. Ich hoffe, es wird sich endlich etwas positiv verändern, ich hoffe, unsere Soldatinnen und Soldaten bekommen endlich den Respekt und den Rückhalt, den sie verdienen.
Ein Aufruf an die neue Regierung: Gebt unseren Soldatinnen und Soldaten das, was sie benötigen, um im Krieg für Deutschland zu bestehen und um Euch zu vertreten, die Ihr Deutschland regiert. Denn letztlich setzen unsere Soldatinnen und Soldaten für die Verantwortlichen der Regierung, die den Afghanistaneinsatz beschlossen haben, täglich ihr Leben ein. Bringt endlich die richtigen Experten, die richtigen Berater und die richtigen kompetenten Personen in die Schlüsselpositionen. Nur so kann sich etwas zum Positiven wenden, auch für die Angehörigen der Soldaten. Während Ihr in Deutschland Partys feiert, sind unsere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan auf Patrouille und haben Angst um ihr Leben. Ihre Gedanken werden in diesem Augenblick nicht von Politik bestimmt. Sie sorgen sich nur um ihre Unversehrtheit und um ihre Lieben zu Hause. Gebt Ihnen Hoffnung und das, was sie für einen erfolgreichen und sicheren Einsatz benötigen. Und gebt Ihnen vor allem das Gefühl, dass sie für Euch mehr sind als das Instrument zur Verwirklichung Eurer noch immer sehr merkwürdigen Vorstellungen eines befriedeten Afghanistans.
Viel Glück bei Eurer Wahl der sogenannten Experten und beste Grüße an alle im Auslandseinsatz.
Allzeit Glück ab
Achim
Aus aktuellem Anlass11/09/09 von Econ
Zurzeit geht der NATO-Luftangriff auf zwei durch die Taliban entführte Tanklastzüge durch die Medien. Wahrscheinlich kamen bei dem Angriff in der Nähe von Kundus auch unschuldige Zivilisten zu Tode – das ist sehr bedauerlich. Noch ist nicht geklärt, wie genau es zu dem Vorfall gekommen ist. Doch einige versuchen mit der Kritik am deutschen Kommandeur bereits ein vorzeitiges Bauernopfer zu bringen.
Doch versetzen wir uns mal in die Lage dieses Mannes und versuchen seine Entscheidung nachzuvollziehen:
Der Kommandeur bekommt die Info, dass zwei Tanklaster durch vermeintliche Taliban entführt wurden. Dabei wurden auch die Fahrer der Tanklastzüge getötet. Er weiß: Vor gar nicht allzu langer Zeit hat die Taliban eben solche Tanklastzüge als fahrende Bomben eingesetzt. Das ist nun die Grundlage, auf der der Kommandeur beschließt, einen eventuellen Schaden von seinen Soldatinnen und Soldaten abzuwenden. Er fordert amerikanische Aufklärungsflugzeuge an, die das Szenario besser beschreiben und helfen sollen, die Lage einzuschätzen. Die so entstehenden Bilder und eine einheimische Quelle, die durch den Nachrichtendienst befragt wurde, lassen nur einen Schluss zu: Es waren ausschließlich Anhänger der Taliban, die sich der beiden Tanklastzüge bemächtigt haben.
Nun entschließt sich der Kommandeur einen Luftschlag anzufordern – und das tut er meiner Meinung nach bestem Wissen und Gewissen.
Wahrscheinlich wäre es gut gewesen, er hätte sofort Aufklärungskräfte zum Ort des Geschehens geschickt. Denn diese speziell ausgebildeten Soldaten sind in Kundus definitiv vorhanden. Vielleicht der einzige Vorwurf, den man ihm machen kann.
Wenn jetzt aber die Öffentlichkeit oder unsere alliierten Partner den Kommandeur beschuldigen, einen nicht erforderlichen Luftschlag angefordert zu haben, vergessen sie etwas Wichtiges. Dieser Luftschlag wurde schlussendlich durch Alliierte genehmigt. Will man unbedingt einen Schuldigen suchen, sollte man diejenigen befragen, die die Erlaubnis zum Abschuss gegeben haben.
Ich hoffe sehr, dass man den deutschen Kommandeur weiterhin in Amt und Würden lässt. Denn es gibt in Afghanistan nur wenig Verantwortliche, die sich in extremen Situationen zu solchen Entscheidungen durchringen, letztlich um Kameraden zu schützen.
Das alles nur als Denkanstoß, der deutlich machen soll: In Afghanistan ist Krieg, und die, die diesen Mann verurteilen, sitzen im Frieden.
Allzeit Glück ab an alle eingesetzten Kameraden und passt auf Euch auf.
Achim
Neues Buch: Der Countdown läuft!02/09/09 von Econ
Zunächst einmal ein großes Sorry an alle Leser, die diese Homepage verfolgen. In den letzten Wochen und Monaten war ich mit den Korrekturen für mein neues Buch „Operation Kundus“ sehr beschäftigt. Am 10. September ist es aber endlich so weit: Das Buch ist dann garantiert im Buchhandel erhältlich, kann aber jetzt schon beim Buchhändler Eures Vertrauens vorbestellt werden.
In dem Buch beschreibe ich meinen zweiten Einsatz (mehr Info dazu unter der Rubrik „Buch“), aber auch die Zeit danach. Mit welchen Schwierigkeiten hatten ich und meine Kameraden als Vorauskräfte in Kundus zu kämpfen? Wie erging es meiner damaligen Freundin zu Hause? Wie erging es mir im Bundeswehrkrankenhaus? Und wie ergeht es den Soldatinnen und Soldaten heute?
Ich habe es geschafft, meine Ex-Freundin dazu zu bewegen, einen kleinen Beitrag fürs Buch zu leisten, der gerade die Problematik aus Sicht einer „Soldatenfrau“ darstellt und möchte mich hier im Voraus schon bei ihr dafür bedanken.
Noch ein paar Worte zur aktuellen Situation in Deutschland und in Afghanistan. Mich wundert es nicht, dass im Wahlkampf so gut wie nichts über die Situation in Afghanistan berichtet wird. Obwohl sich die Politik den beiden großen „A´s“ verschrieben hat, nämlich Arbeitslosigkeit und Afghanistan, fiel das Thema Afghanistan hinten runter. Für Politiker ist es eben unbequem, ein so brisantes Thema in den Wahlkampf einfließen zu lassen. Dabei wird die Situation in Afghanistan immer schlimmer. Täglich erreichen mich Informationen aus dem Einsatzland, aber auch sehr liebevolle und besorgte Emails von Angehörigen aus Deutschland. Demzufolge passieren nach wie vor täglich Übergriffe gegen unsere Soldatinnen und Soldaten. Es finden Gefechte statt, wobei es auch Verletzte gibt!
Dennoch schaffen es die entsprechenden Stellen aus Regierung und Bundeswehrführung, diese Vorkommnisse unter den Teppich zu kehren. Herzlichen Glückwunsch an all diese „Stellen“; ihr habt es mal wieder geschafft! Aber ich bleibe am Ball und gebe diese Informationen in jedem Interview weiter und auch über diese Homepage an die Öffentlichkeit.
Ich bin gespannt, wie die Reaktion von Euch Lesern und der Politik bzw. der militärischen Führung ausfallen wird. Aber unabhängig davon: Sollte auch nur einem Angehörigen der Bundeswehr im Auslandseinsatz durch mein Buch geholfen werden, habe ich erreicht, was ich wollte.
Viel Spaß beim Lesen meines Buches und bis bald,
Achim