Monatsarchiv für September, 2008

Kleine Freude, großer Schock06/09/08 von Econ

Letzte Woche haben wir uns hier anlässlich des Ausstiegs aus der Spiegel-Bestseller-Liste bei unseren Lesern bedankt. Doch wir haben nur eine kleine Pause gemacht und werden in der Ausgabe vom Montag (8.9.) wieder auf Platz 45 vertreten sein. (Die Rubrik “Aktuell”, in der oben immer die aktuelle Platzierung steht, haben wir in “Presse-Echo” umbenannt.) Das zeigt uns, dass das öffentliche Interesse da ist und gerade mit den aktuellen Geschehnissen in Afghanistan wieder größer wird. Die Menschen wollen wissen, was durch unsere Soldatinnen und Soldaten unter den gefährlichen Bedingungen in Afghanistan geleistet wird.

In unserem zweiten Buch, an dem wir ja gerade arbeiten, geht es weiter mit der ungeschminkten Wahrheit. Wir danken allen, die uns dabei unterstützen und werden wieder alles geben, dass der Leser die wahren Hintergründe dieses Einsatzes erfährt.
Aber wir haben auch noch eine Adresse an diejenigen, die den ohnehin schon schwierigen Einsatz der deutschen Soldaten mit Füßen treten. Wenn sogenannte „Friedensgesellschaften“ Plakate abdrucken, auf denen der Tod unserer Kameraden als „ Schritt zur Abrüstung“ befürwortet wird (Siehe dazu: www.bild.de ) und niemand mit rechtlichen Schritten dagegen vorgeht, ist das für uns ein großer Schock und noch größerer Skandal.

Was muss noch passieren, bis endlich mal jemand da oben reagiert? Unsere Soldatinnen und Soldaten befinden sich im Krieg und vertreten unser Land. Das sichert auch das friedliche Leben der Menschen, die hinter diesem gewalttätigen Plakat stehen, sich dabei Friedensfreunde nennen und solchen Scheiß ungestraft verbreiten dürfen.

Wenn das so weitergeht mit der Ignoranz der Regierung und nur ab und zu ein wenig Empörung auf der Tagesordnung steht, sollten sich die Damen und Herren nicht wundern, wenn die Truppe bald noch weniger Nachwuchs erhält.

Achim und Dirk

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Zur aktuellen Lage in Kunduzhttp://www.endstation-kabul.de/03/09/08 von Econ

Viele Leser fragen uns nach unserer Meinung zu der aktuellen Lage in Kunduz und zu den Anschlägen auf unsere Kameraden. Es ist natürlich nicht leicht, die Lage aus der Entfernung zu beurteilen. Aber wir haben natürlich recherchiert und Informationen eingeholt und haben genauso eine eigene Meinung aus militärischer Sicht, die wir uns aufgrund unserer Erfahrung erlauben dürfen.

Zunächst muss man natürlich sagen, dass sich die Attentäter so verhalten, wie sie es schon immer machen: Sie beobachten, suchen und finden Schwachstellen und schlagen dann erbarmungslos zu. Das war schon in der Vergangenheit so, und wir waren auch oft genug Zeugen und Betroffene solcher Anschläge, die glücklicherweise nicht immer zum Allerschlimmsten, also dem Tod von Kameraden, führen. Aber Verletzte und Sachschäden sind leider an der Tagesordnung und waren es schon zu unserer Zeit. Weil wir das selbst so erlebt haben, können wir uns sehr gut in die Lage der Soldaten hinein versetzen. Die Angst fährt jedesmal mit hinaus, wenn es darum geht, seinen Auftrag zu erfüllen.

Bei der Beurteilung der aktuellen Lage stellen sich uns sehr viele Fragen:

  • Warum wurde der deutsche Kommandeur des PRT Kunduz abgelöst? War es wirklich so, dass man kein Vertrauen mehr in ihn hat oder wurde der Kommandeur abgelöst, um den Wünschen der afghanischen Bevölkerung und dortigen Regierung nachzukommen? War der deutsche Kommandeur also ein Bauernopfer?
  • War das Fahrzeug des am 27. August getöteten Fallschirmjägers wirklich gepanzert? Wir haben da andere Informationen.
  • Warum fährt, wie es unseren Informationen bei dem tödlichen Zwischenfall zufolge gewesen ist, ein Patroullienführer vorne? Warum schickt man nicht einen Trupp oder eine Gruppe in gepanzerten Fahrzeugen als „Spitzentrupp“ oder „Spitzengruppe“ voraus, um den Weg aufzuklären?
  • Warum sind noch immer nicht genug Luftfahrzeuge im Land, um Patroullien bei gewissen Routen aus der Luft zu unterstützen und zu schützen?
  • Warum laufen noch immer deutsche Soldaten mit dem normalen G36-Sturmgewehr durch die Gegend? Damit ist man in Verbindung mit der Nachtsichtbrille nur nachtsehfähig, aber nicht nachtkampffähig (es sei denn im Stellungskampf, wenn ich denn ein NSA 80 = Nachtsichtaufsatz dabei habe. Der aber auch nicht von jedem Soldaten mitgeführt wird oder gar nicht erst in den Einsatz mitgenommen wurde.)
  • Warum hat noch immer nicht jeder Soldat eine Pistole als Standard-„Back up“-Waffe? Also eine zusätzliche Waffe, wenn die andere Waffe ausfällt oder ich gezwungen bin, aus einem beengten Fahrzeug heraus zu schießen, was mit dem Sturmgewehr nur selten möglich ist.
  • Warum hat man eine sogenannte schnelle Eingreiftruppe (QRF), wenn man aber keine Luftfahrzeuge hat, um diese Truppe schnell von A nach B zu bringen, wenn akuter Bedarf ist? Also deshalb von einer schnellen Eingreiftruppe keine Rede ist, weil sie nur als Einsatzreserve zur Verfügung steht?

Wir könnten noch viel weiter ins Detail gehen, und die Fragen würden sich häufen.

Die größte Frage ist aber: Warum gibt es nach wie vor kein Gremium unabhängiger Experten (und zwar meinen wir Experten, die in Afghanistan schon viel Erfahrung gesammelt haben), um einen monatlichen Bericht zu erstellen, der die Mängel aufdeckt und wodurch diese dann aus der Welt geschafft werden? Dabei müsste man aber Personen auswählen, denen es egal wäre, wenn sie dadurch Nachteile in ihrer Laufbahn in Kauf nehmen würden, sonst sind die Experten nicht unabhängig. Das könnten auch ehemalige erfahrene Soldaten aller Dienstgradgruppen sein, die sich bewiesen haben, jedoch keine Pseudo-„Experten“, die das Camp nur bei Ankunft und Abfahrt verlassen haben.

Noch immer wird der Öffentlichkeit nicht schonungslos mitgeteilt, dass in Afghanistan Krieg herrscht. Es ist kein Friedenseinsatz und kein Einsatz zur Aufbauhilfe. Es ist Krieg.

Deshalb hier zum x-ten Male unsere Forderung: Sichert unser Soldaten besser ab, gebt ihnen, was sie brauchen. Es sind gute, motivierte Soldatinnen und Soldaten, die ein Recht darauf haben, dass sie bekommen, was sie brauchen. Sorgt für bessere Rahmenbedingung für die Familien zu Hause.

Das gilt vor allem für die deutschen Todesopfer, aber auch für die Kameraden, die aufgrund der Gefahr von ihrer Schusswaffe Gebrauch gemacht haben, wodurch unglücklicherweise zwei afghanische Kinder und eine Frau getötet wurden. Jetzt ist wichtig, dass man sich um alle Beteiligten kümmert und ihnen den Rücken stärkt. Man darf sie nicht vorverurteilen, sondern muss zusammen die Hintergründe klären. Wenn bei jedem Zwischenfall der Staatsanwalt eingeflogen wird, kann man in Afghanistan gleich eine Filiale der Potsdamer Staatsanwaltschaft aufmachen. Der Staatsanwalt mag ja den Vorschriften entsprechen und für eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle wichtig sein, aber wenn jeder Soldat befürchten muss, dass er wegen seiner Verteidigung in den Knast muss, wird die Bundeswehr bald keine Soldaten mehr in Afghanistan haben, weil dann niemand freiwillig dort hingeht.

Und wenn der Staatsanwalt und die Bundeswehr zu dem Schluss kommen, dass der Schusswaffengebrauch gerechtfertigt war, dann sollte man die Beteiligten unterstützen, diese Sache zu bewältigen. Es ist für niemanden leicht zu verarbeiten, einen Menschen erschossen zu haben.

Auf jeden Fall stellen sich für uns viele Fragen genauso auch für viele Leser, die uns schreiben. Wir können dazu im Moment nur so viel sagen, wie hier dargestellt, da wir jedem, der uns Informationen gibt, zugesichert haben, dass wir die Quelle schützen. Das gehört zu den ehernen Regeln – unter Kameraden ebenso wie im Journalismus. Würden wir alle Informationen freigeben, würde man wahrscheinlich auf die Quelle dieser Informationen kommen, und das wollen wir vermeiden. Also sind alle Informationen bei uns geschützt, bis man uns erlaubt, diese freizugeben. Dafür stehen wir mit unserem Wort.

Die bittere Erkenntnis ist, dass dort noch viele Menschen sterben werden, auf beiden Seiten. Das weiß die Regierung und das wissen die Soldatinnen und Soldaten. Also sollte man alles tun, um unsere Kameraden zu schützen. Ein plötzlicher Minister-Besuch gehört garantiert nicht zu den geeigneten Maßnahmen. Aber auch das sagen wir nicht zum ersten Mal.

Achim und Dirk

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Danke an alle Leser01/09/08 von Econ

Liebe Leser, Freunde, Bekannte, Soldatinnen und Soldaten und deren Angehörige,

 

nach nunmehr 33 Wochen oder auch acht Monaten und einer Woche (davon 12 Wochen unter den Top 20), sind wir jetzt aus der Spiegel-Bestsellerliste verschwunden. Wir danken Euch dafür, dass Ihr durch Euer Interesse an unserem Buch einen so großen Erfolg ermöglicht habt. Niemals hätten wir mit so einem Feedback gerechnet und bleiben weiter am Ball mit diesem sehr brisanten Thema, dem wir uns nach wie vor verschrieben haben.

Leider hat sich durch unser Buch noch nicht so viel für unsere Kameraden verändert, wie wir es uns erhofft hatten. Aber wir geben nicht auf. Obwohl die Mängel nun in der Öffentlichkeit bekannt sind und viel diskutiert und versprochen wurde, sitzen es die Personen in den Schlüsselpositionen mal wieder aus. Wir fordern weiter, dass die Politik und Militärische Führung alles erdenklich Mögliche für das Wohlsein unserer Soldatinnen und Soldaten tun. Hier ist mehr möglich und nötig, als bislang der Fall ist.

Genauso wie viele andere trauern wir um unseren getöteten Fallschirmjäger-Kameraden und sind in Gedanken bei den Angehörigen.

Achim und Dirk

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