Monatsarchiv für August, 2008
Einblicke in unsere OPZ21/08/08 von Econ
Heute bieten wir exklusive Einblicke in unsere „OPZ“, wo wir dabei sind, unser zweites Buch zu schreiben. Diese Wohnung haben wir extra zur Zwischenmiete bezogen, um fernab vom Alltag und konzentriert an dem Text zu arbeiten. Wie auf den Bildern zu sehen ist, sind wir voll in unserem Element.
Im Buch wird es um die Geschehnisse gehen, die wir am Ende des ersten Buches angedeutet haben plus einiger sehr interessanter Einblicke, und zwar hinter die Kulissen aber auch der Vor- und Nachbereitung eines Einsatzes bei der Bundeswehr. Ich war bei meinem Einsatz in Kunduz ja nahezu ausschließlich mit der Bundeswehr unterwegs und darin bestand auch das größte Problem, verglichen mit meiner Zeit bei den holländischen KCT. Wir werden auch viele Erkenntnisse einfügen, die aus Leserzuschriften und weiteren interessanten Informationen stammen, die an uns herangetragen wurden.
Ein Trip nach Afghanistan ist zum jetzigen Zeitpunkt weiterhin geplant, hat sich aber aufgrund von organisatorischen Problemen noch nicht umsetzen lassen. Aber wir bleiben am Ball und werden das schon hinkriegen. Auch eine Überraschung ist zu erwarten, da wir noch sehr interessante Einblicke aus der Sicht von Personen bieten, die von so einem Einsatz auch sehr, sehr stark betroffen sind. Aber mehr wollen wir im Moment nicht verraten, da wir ja sonst das Pulver schon im Vorfeld verschießen.
Seht es uns bitte nach, dass wir mit den E-Mails und der Post noch hinterherhängen. Wir halten unser Versprechen und beantworten jede einzelne Zuschrift persönlich. Schon jetzt möchten wir uns bei all den Personen bedanken, die uns sehr viele Informationen zur Verfügung stellen und es nach wie vor tun. Danke für Euren Zuspruch in vielen Einzelgesprächen und Nachrichten.
Achim und Dirk
Wie ich Zeuge einer weiteren Monkeyshow wurde19/08/08 von Econ
Am 29. Juli hatte ich, Achim, die Möglichkeit, an einem Vortrag über Afghanistan teilzunehmen, der von einem Oberstleutnant der Bundeswehr in der Nähe meiner Heimatstadt, in Fallersleben, durchgeführt wurde. Ich wollte einfach mal sehen, ob die Informationspolitik der Bundeswehr über den Afghanistan- Einsatz seit unserem Buch besser geworden ist. Es handelte sich um eine Veranstaltung, die von der Bundeswehr unterstützt wurde, da sich der Kamerad in Uniform präsentierte und man das ja nur darf, wenn man sich vorher das Einverständnis durch den Dienstherren geholt hat. Anwesend waren circa 30 Personen, die sehr interessiert zuhörten, was dort vorgetragen wurde.
Zunächst einmal wurden einige Informationen über das Land vermittelt, die im Großen und Ganzen auch soweit richtig waren, da sie aus offiziellen Quellen sehr gut abgelesen wurden. Nach der Pflicht kam die Kür, da es jetzt darum ging, den Zuhörern den Alltag der Soldaten vor Ort zu vermitteln. Jetzt wurde es so richtig interessant. Spätestens jetzt muss ich erwähnen, dass der Kamerad seine Einblicke im neunten Kontingent Kabul erhielt, wo er im Hauptquartier der ISAF eingesetzt war. Entsprechend ging es nicht um die Belastung der einzelnen Soldaten in den verschiedenen Standorten in Afghanistan, sondern eher um einen sehr großen Anteil von Partybildern, die der Herr während seiner Zeit dort wohl erlebte und freudig präsentierte.
Wo waren die Informationen über die fehlende Ausrüstung? Wo waren die Informationen über die fehlenden gepanzerten Fahrzeuge? Wo waren die Informationen darüber, dass die Quick Reaction Force (QRF) im Norden nicht genügend und gut genug ausgerüstet ist? Wo waren die Informationen darüber, dass nach wie vor eine Evakuierung nicht möglich ist, da noch immer nicht genügend Lufttransportraum und Luftunterstützung vorhanden ist? Aber dafür gab es schöne Bilder: Er zeigte Fotos einer Rundfahrt durch Kabul und einer Informationsfahrt in den anderen Camps nach einem doch sehr “anstrengendem” Lufttransport, wie er sagte. Aber es wurde zumindest erwähnt, dass die Bundeswehr nur zwei einsatzbereite Hubschrauber in Afghanistan hat.
Ich saß die ganze Zeit still und unerkannt in einer Ecke und schrieb das ganze Gequatsche mit. Zwischendurch musste ich immer wieder den Kopf schütteln, und so wurde langsam ein Bekannter des Oberstleutnant, ein Major, auf mich aufmerksam. Irgendwann beugte er sich zu mir rüber und fragte mich, ob ich Journalist sei, was ich bejahte. “Und für welches Blatt?” wollte er dann wissen. “Frei”, sagte ich.
Als es um die schnelle Eingreiftruppe im Norden ging, konnte ich nicht an mich halten und meinte, dass die Quick Reaction Force eigentlich nur eine Reaction Force ist, da sie aufgrund der Luftfahrzeuglage ja nie schnell genug an den Ort des Geschehens kommen kann. Der referierende Oberstleutnant ging mit keiner Silbe darauf ein. Es ist schon erstaunlich, dass wir all diese Informationen aus erster Hand haben, aber irgendwie immer noch versucht wird, diese Mängel zu verheimlichen oder unter den Teppich zu kehren.
Als dann gefragt wurde, wie viele Soldaten in Afghanistan gefallen sind, habe ich den Raum nach circa zweieinhalb Stunden verlassen, weil ich die Monkeyshow nicht mehr aushalten konnte. Wie wir aus sicheren Quellen wissen, wird die Öffentlichkeit auch in diesem Punkt nach Strich und Faden verarscht. Die offizielle Zahl von 24 Todesopfern ist die eine Sache und schlimm genug, doch tatsächlich ist sie viel höher. Wir wissen von Toten beim KSK, die nirgendwo auftauchen und von einer höheren Zahl bei den deutschen ISAF-Truppen, die entweder als Selbstmord oder als Unfall erklärt werden, wenn man genauer nachfragt. Durch unser Buch treten täglich Personen an uns heran, die uns belegbare Geschichten erzählen und mit denen Dirk und ich in der Vergangenheit in Einsätzen waren. Und somit sind die Informationen bestätigt.
Bevor ich gegangen bin, habe ich mich aber noch dem Major gegenüber geoutet.
“Kennen Sie Endstation Kabul? “, habe ich gefragt. Er nickte. “Das haben ich und mein Koautor zusammen geschrieben.” Er wurde ein wenig blass um die Ohren und fragte: ” Sind SIE der Stabsunteroffizier? ” “Ja, das bin ich”, sagte ich. “Und wenn ich Sie wäre, würde ich solche Veranstaltungen nutzen, um den Leuten die Wahrheit zu sagen. Denn nur so kann man etwas für die Truppe bewirken. Nur dann wird es Verbesserungen beim Material und den Arbeitsbedingungen geben. Genau deshalb haben Dirk Schulze und ich dieses Buch geschrieben ” Ich schnappte mir meinen Notizblock, wünschte ihm noch “Allzeit Glück ab” und verschwand.
Achim




