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Hoffnung keimt auf29/10/09 von Econ

Es ist entschieden: Der neue Verteidigungsminister heißt Karl-Theodor zu Guttenberg.

Guttenberg war Wehrpflichtiger bei der traditionsreichen Truppe der Gebirgsjäger und ist Unteroffizier der Reserve. Anders als seine Vorgänger gehört er mit seinen jungen Jahren einer neuen Generation an. Aufgrund seiner privaten Verhältnisse scheint er sich im Gegensatz zu manch anderem Politiker zudem nicht durch ein rücksichtsloses Karrierestreben auszeichnen zu müssen.

Er vertritt eine Generation von Deutschen, die sich in nicht unerheblichem Maße selbst einmal als Soldat für eine kurze oder auch längere Zeit in einem Auslandseinsatz befanden. Er kann die Gedanken dieser Menschen mit all ihren Sorgen und Nöten darum mit Sicherheit besser nachvollziehen als seine sehr viel älteren Vorgänger. Wir alle sind gespannt, ob er den Afghanistaneinsatz als das bezeichnen wird, was er ist  – nämlich als KRIEG. Auch warten wir gebannt darauf, ob er seine Angewohnheit, Klartext zu reden und unangenehme Dinge anzusprechen, in Sachen Verteidigungspolitik beibehält. Es wird sicher nicht ganz einfach, die Belange seiner Untergebenen gegenüber den machtorientierten Kollegen des Bundestages zu vertreten. Es wäre für alle wünschenswert, wenn er seine Ankündigung umsetzt, mehr Fachpersonal als Berater hinzuziehen. Dabei käme es darauf an, Personen aus allen Dienstgradgruppen auszuwählen, die einschlägige Erfahrungen in Afghanistan gemacht haben. Das wäre schon mal ein erster positiver Schritt in die richtige Richtung. Guttenberg würde es glaubwürdiger machen, und es würde ihm zudem Respekt von denjenigen eintragen, die tagtäglich ihr Leben für ihr Land riskieren.

Ein weiterer positiver Aspekt ist die Tatsache, dass sich auch ein Generationswechsel an der Spitze der militärischen Führung anbahnt. Wir haben genug qualifizierte, gute Offiziere in den Führungsstäben, die jetzt zum Zuge kommen sollten. Wir hoffen, dass der neue Verteidigungsminister sich wirklich dabei durchsetzen kann, das Personal in den Führungsriegen zu verbessern. Wer auch immer in der Zukunft die Belange der Bundeswehr und ihrer Soldaten und Soldatinnen in die Hand nehmen wird, eins ist sicher: Die richtigen Entscheidungen treffen, das kann nur, wer die Sorgen, die Nöte, die Anstrengungen, die Entbehrungen und die Ängste geteilt hat, die die Soldaten und Soldatinnen in ihrem Auslandseinsatz tagtäglich empfinden. Man muss die Umstände und Verhältnisse kennen, unter denen die Einsätze durchgeführt werden. Nur dann kann man wissen, welche Mängel es gibt und wie sie zu beseitigen sind.

Darum ein Appell an den neuen Verteidigungsminister:

Ziehen Sie einen ausgewogenen Beraterstab auf Ihre Seite und versuchen Sie als Soldat zu denken und nicht nur als Politiker!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen alles soldatische Glück und verbleibe mit kameradschaftlichen Grüßen

Achim Wohlgethan

An alle in den Einsatzländern, passt auf Euch auf, allzeit Glück ab!

Achim

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Verwunderung15/10/09 von Econ

Nun ist es also von höchster Stelle bestätigt. Der Sieg von Hamid Karsai in der afghanischen Präsidentschaftswahl vom 20. August ist nur durch erheblichen Wahlbetrug zustande gekommen. Laut den Vereinten Nationen gab es bei der Stimmauszählung massive Unregelmäßigkeiten. In manchen Provinzen wurden dreimal so viel Stimmen gezählt, als abgegeben worden sind. Aber von unseren Politikern kein Wort. Nach wie vor stehen sie kritiklos zu der afghanischen Regierung. Akzeptieren das Wahlergebnis, obwohl es bereits von Beginn an Hinweise auf Betrug gegeben hat. Für mich völlig unverständlich.

Genauso verwundert bin ich über eine andere Sache. Dass auf dem afghanischen Schwarzmarkt ehemalige Bundeswehrwaffen gehandelt werden, ist seit langem bekannt. Trotzdem scheint diese Nachricht hochrangige deutsche Politiker zu überraschen. Dabei haben mein Co-Autor Dirk Schulze und ich bereits vor einiger Zeit in unserem ersten Buch „Endstation Kabul“ darüber geschrieben. Aber das wollte man ja nicht hören. Oder warum  hätte man uns sonst Unwissenheit und Unkenntnis vorwerfen sollen.

Das Zustandekommen dieses illegalen Handels ist ganz einfach zu erklären. Die korrupte afghanische Regierung steckt die Gelder, die sie von den Koalitionspartnern als Aufbauhilfe erhält, nämlich in ihre eigene Tasche. Sie setzt sie nicht dafür ein, den Polizisten und Soldaten ordentliche Gehälter zu zahlen oder sie mit den notwendigen Sicherheitsapparaturen auszustatten. Und diese Männer, die tagtäglich ihr Leben zum Schutz der Regierung und des Landes einsetzen, haben noch nicht einmal genug Geld, um ihre Familien zu ernähren. Notgedrungen sehen sie sich dazu gezwungen, ihre Ausrüstung, aber auch ihre Waffen auf den Schwarzmarkt anzupreisen.

Man muss schon sehr blind und verbohrt sein, wenn man sich über so eine Tatsache überhaupt noch wundert. Ich verstehe nicht, warum dieses Thema trotz besseren Wissens immer noch totgeschwiegen wird. Warum niemand um eine öffentliche Aufklärung bemüht ist. Diese würde nicht nur die Situation der afghanischen Bevölkerung verbessern, sondern auch dem Ansehen der deutschen Bundeswehr gut tun.

Realitätsfremde und linientreue Verantwortungsträger ersticken jedoch jede Hoffnung dazu im Keim. Wo bleiben nur die deutschen Politiker, die bei diesem Thema mit Fachkompetenz und ehrlichem Engagement in der Öffentlichkeit glänzen? Es ist zum Verzweifeln.

An alle in den Einsatzländern, passt auf Euch auf.

Glück ab

Achim

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Trauer und Aufforderung07/10/09 von Econ

Wir trauern um einen Kameraden der Fallschirmjäger, der zu unserem tiefsten Bedauern an den Folgen eines heimtückischen Selbstmordanschlages vom 06. August 2008 durch die radikal-islamische Taliban gestorben ist. In tiefer Anteilnahme sind wir bei den Hinterbliebenen und Freunden.

Ich freue mich, dass sich die Leser meiner Bücher und die User dieser Homepage durch Kommentare und Leserbriefe selbst zu der Afghanistanproblematik zu Wort melden. Mit Interesse und Respekt verfolge ich die Diskussionen, die zwischen den Teilnehmern der Seite ausgetragen werden. Das zeigt mir, dass sich viele in Bezug auf die schwierige und gefährliche Situation unserer Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan genauso fühlen wie ich und dass sie der Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch ebenso stark beschäftigt.

Ich möchte Euch alle auffordern, Eure Meinung zu diesem Thema weiter kundzutun.

So erhöhen wir kontinuierlich den Druck auf die Verantwortlichen in der Politik. Irgendwann kommen sie dann nicht mehr daran vorbei, sich mit sach- und fachkundigen Personen – zu denen wir durch unseren Einsatz ja auch gehören – auseinanderzusetzen. Nur so können wir eine positive Veränderung bewirken, für unsere Kameradinnen und Kameraden, aber auch für deren Angehörigen.

Noch steckt die neue Regierung in Koalitionsverhandlungen fest. Die Personen, die für den Job des Verteidigungsministers gehandelt werden, lassen allerdings nichts Gutes hoffen. Die deutsche Bundeswehr steht in Afghanistan vor äußerst schwer zu lösenden Problemen. Aber wieder einmal scheint sich zu zeigen, dass parteipolitisches Kalkül eine tatsächliche Lösung verhindert. Nicht die Kompetenz der Anwärter, sondern das Geschacher um die Ministerposten entscheiden, wer unsere Armee demnächst führen wird. Das ist höchst ärgerlich.

Mit trauernden Grüßen und dem Aufruf an alle in den Einsatzländern, weiterhin auf Euch aufzupassen

Allzeit Glück ab.

Achim

Einen sehr sehenswerten Film zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr findet ihr hier.

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Fortschritt? Rückschritt? Hoffnung?28/09/09 von Econ

Es ist Sonntag, der 27. September 2009 um 19.42 Uhr. So eben kamen die Ergebnisse der Bundestagswahlen im Fernsehen. Überall werden mehr oder weniger fröhliche Wahlpartys gefeiert. Die meisten unserer Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz haben gebannt auf das Wahlergebnis gewartet. Es wird wohl eine neue Bundesregierung geben. Viele fragen sich, ob diese eine Verbesserung für unsere Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz bewirken wird. Ich hoffe, es wird sich endlich etwas positiv verändern, ich hoffe, unsere Soldatinnen und Soldaten bekommen endlich den Respekt und den Rückhalt, den sie verdienen.

Ein Aufruf an die neue Regierung: Gebt unseren Soldatinnen und Soldaten das, was sie benötigen, um im Krieg für Deutschland zu bestehen und um Euch zu vertreten, die Ihr Deutschland regiert. Denn letztlich setzen unsere Soldatinnen und Soldaten für die Verantwortlichen der Regierung, die den Afghanistaneinsatz beschlossen haben, täglich ihr Leben ein. Bringt endlich die richtigen Experten, die richtigen Berater und die richtigen kompetenten Personen in die Schlüsselpositionen. Nur so kann sich etwas zum Positiven wenden, auch für die Angehörigen der Soldaten. Während Ihr in Deutschland Partys feiert, sind unsere Soldatinnen und Soldaten in Afghanistan auf Patrouille und haben Angst um ihr Leben. Ihre Gedanken werden in diesem Augenblick nicht von Politik bestimmt. Sie sorgen sich nur um ihre Unversehrtheit und um ihre Lieben zu Hause. Gebt Ihnen Hoffnung und das, was sie für einen erfolgreichen und sicheren Einsatz benötigen. Und gebt Ihnen vor allem das Gefühl, dass sie für Euch mehr sind als das Instrument zur Verwirklichung Eurer noch immer sehr merkwürdigen Vorstellungen eines befriedeten Afghanistans.

Viel Glück bei Eurer Wahl der sogenannten Experten und beste Grüße an alle im Auslandseinsatz.

Allzeit Glück ab

Achim

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Aus aktuellem Anlass11/09/09 von Econ

Zurzeit geht der NATO-Luftangriff auf zwei durch die Taliban entführte Tanklastzüge durch die Medien. Wahrscheinlich kamen bei dem Angriff in der Nähe von Kundus auch unschuldige Zivilisten zu Tode – das ist sehr bedauerlich. Noch ist nicht geklärt, wie genau es zu dem Vorfall gekommen ist. Doch einige versuchen mit der Kritik am deutschen Kommandeur bereits ein vorzeitiges Bauernopfer zu bringen.

Doch versetzen wir uns mal in die Lage dieses Mannes und versuchen seine Entscheidung nachzuvollziehen:

Der Kommandeur bekommt die Info, dass zwei Tanklaster durch vermeintliche Taliban entführt wurden. Dabei wurden auch die Fahrer der Tanklastzüge getötet. Er weiß: Vor gar nicht allzu langer Zeit hat die Taliban eben solche Tanklastzüge als fahrende Bomben eingesetzt. Das ist nun die Grundlage, auf der der Kommandeur beschließt, einen eventuellen Schaden von seinen Soldatinnen und Soldaten abzuwenden. Er fordert amerikanische Aufklärungsflugzeuge an, die das Szenario besser beschreiben und helfen sollen, die Lage einzuschätzen. Die so entstehenden Bilder und eine einheimische Quelle, die durch den Nachrichtendienst befragt wurde, lassen nur einen Schluss zu: Es waren ausschließlich Anhänger der Taliban, die sich der beiden Tanklastzüge bemächtigt haben.

Nun entschließt sich der Kommandeur einen Luftschlag anzufordern – und das tut er meiner Meinung nach bestem Wissen und Gewissen.

Wahrscheinlich wäre es gut gewesen, er hätte sofort Aufklärungskräfte zum Ort des Geschehens geschickt. Denn diese speziell ausgebildeten Soldaten sind in Kundus definitiv vorhanden. Vielleicht der einzige Vorwurf, den man ihm machen kann.

Wenn jetzt aber die Öffentlichkeit oder unsere alliierten Partner den Kommandeur beschuldigen, einen nicht erforderlichen Luftschlag angefordert zu haben, vergessen sie etwas Wichtiges. Dieser Luftschlag wurde schlussendlich durch Alliierte genehmigt. Will man unbedingt einen Schuldigen suchen, sollte man diejenigen befragen, die die Erlaubnis zum Abschuss gegeben haben.

Ich hoffe sehr, dass man den deutschen Kommandeur weiterhin in Amt und Würden lässt. Denn es gibt in Afghanistan nur wenig Verantwortliche, die sich in extremen Situationen zu solchen Entscheidungen durchringen, letztlich um Kameraden zu schützen.

Das alles nur als Denkanstoß, der deutlich machen soll: In Afghanistan ist Krieg, und die, die diesen Mann verurteilen, sitzen im Frieden.

Allzeit Glück ab an alle eingesetzten Kameraden und passt auf Euch auf.

Achim

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Neues Buch: Der Countdown läuft!02/09/09 von Econ

Zunächst einmal ein großes Sorry an alle Leser, die diese Homepage verfolgen. In den letzten Wochen und Monaten war ich mit den Korrekturen für mein neues Buch „Operation Kundus“ sehr beschäftigt. Am 10. September ist es aber endlich so weit: Das Buch ist dann garantiert im Buchhandel erhältlich, kann aber jetzt schon beim Buchhändler Eures Vertrauens vorbestellt werden.  

In dem Buch beschreibe ich meinen zweiten Einsatz (mehr Info dazu unter der Rubrik „Buch“), aber auch die Zeit danach. Mit welchen Schwierigkeiten hatten ich und meine Kameraden als Vorauskräfte in Kundus zu kämpfen? Wie erging es meiner damaligen Freundin zu Hause? Wie erging es mir im Bundeswehrkrankenhaus? Und wie ergeht es den Soldatinnen und Soldaten heute?

Ich habe es geschafft, meine Ex-Freundin dazu zu bewegen, einen kleinen Beitrag fürs Buch zu leisten, der gerade die Problematik aus Sicht einer „Soldatenfrau“ darstellt und möchte mich hier im Voraus schon bei ihr dafür bedanken.

 Noch ein paar Worte zur aktuellen Situation in Deutschland und in Afghanistan. Mich wundert es nicht, dass im Wahlkampf so gut wie nichts über die Situation in Afghanistan berichtet wird. Obwohl sich die Politik den beiden großen „A´s“ verschrieben hat, nämlich Arbeitslosigkeit und Afghanistan, fiel das Thema Afghanistan hinten runter. Für Politiker ist es eben unbequem, ein so brisantes Thema in den Wahlkampf einfließen zu lassen. Dabei wird die Situation in Afghanistan immer schlimmer. Täglich erreichen mich Informationen aus dem Einsatzland, aber auch sehr liebevolle und besorgte Emails von Angehörigen aus Deutschland. Demzufolge passieren nach wie vor täglich Übergriffe gegen unsere Soldatinnen und Soldaten. Es finden Gefechte statt, wobei es auch Verletzte gibt!

Dennoch schaffen es die entsprechenden Stellen aus Regierung und Bundeswehrführung, diese Vorkommnisse unter den Teppich zu kehren. Herzlichen Glückwunsch an all diese „Stellen“; ihr habt es mal wieder geschafft! Aber ich bleibe am Ball und gebe diese Informationen in jedem Interview weiter und auch über diese Homepage an die Öffentlichkeit.

Ich bin gespannt, wie die Reaktion von Euch Lesern und der Politik bzw. der militärischen Führung ausfallen wird. Aber unabhängig davon: Sollte auch nur einem Angehörigen der Bundeswehr im Auslandseinsatz durch mein Buch geholfen werden, habe ich erreicht, was ich wollte.

 

Viel Spaß beim Lesen meines Buches und bis bald,

 

Achim

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Trauer und Wut25/06/09 von Econ

Wieder sind Kameraden gefallen.

Eine Journalistin fragte mich unmittelbar nach dem Anschlag, bei dem drei Soldaten gefallen sind: „Was empfinden Sie?“ Ich sagte sofort: „Trauer und Wut!“

TRAUER um unsere Kameraden, die in so jungen Jahren aus dem Leben gerissen wurden, als sie ihren Dienst für ihr Vaterland leisteten.
WUT über die Politiker und andere in Führungspositionen, die weiterhin in der Öffentlichkeit das Gegenteil dessen sagen, was unsere Soldatinnen und Soldaten vor Ort erzählen.

Die Soldaten (die es besser wissen), sagen nach wie vor, dass sie sich im Krieg befinden.
Die Politiker verneinen das (weil sie ja besser informiert sind).
Somit stellen sie unsere Soldatinnen und Soldaten als Lügner hin.

Keiner unserer Soldatinnen und Soldaten hat es verdient, als Lügner hingestellt zu werden!
Sie riskieren jeden Tag ihr Leben – auch für die, von denen sie unterschwellig als Lügner bezeichnet werden. Dafür verdienen sie Respekt!

In Gedenken an unsere im Krieg gefallenen Kameraden. Wir sind in tiefer Trauer bei den Angehörigen.

Achim

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An alle Soldatinnen und Soldaten in Kundus/Afghanistan19/06/09 von Econ

Ihr kämpft, Ihr werdet verwundet, Ihr müsst töten und Ihr verliert Kameraden! Ihr seid über 5000 Kilometer von der Heimat entfernt – warum wisst ihr mittlerweile auch nicht mehr.
Brunnen bauen und Schulen eröffnen gibt es schon lange nicht mehr. Aufbauarbeiten sind seit langem nicht mehr möglich. Entwicklungshelfer verlassen die Region. Die Sicherheitslage hat sich massiv verschlechtert, und dennoch nennt die Politik es nach wie vor eine „Stabilisierungsmission“.

Eure Vertreter äußern sich wie folgt zu eurem Einsatz für euer Land und deren Politik.

Der Generalinspekteur

  • Eigentlich ist er mit seinem politiknahen Posten der Berater des Verteidigungsministers und trägt dem Verteidigungsausschuss vor.
  • Er weiß um die Missstände, kann es aber irgendwie nicht umsetzen, da er ja eigentlich auch nur Politiker ist.
  • Er will euch scharfe Mörser-Munition geben, lehnt aber dennoch persönlich die sehr gut vorhandene Artellerie-Unterstützung ab.
  • Er nennt die Auseinandersetzungen nach wie vor nicht „KRIEG“ sondern spricht nur von einer neuen Qualität der Auseinandersetzung, bei der man einfach nur taktisch anders vorgehen muss.
  • Im gleichen Atemzug sagt er, dass weitere Schützenpanzer helfen würden, aber man Bedenken hat, weil ja dadurch die Straßen in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.

    Er spricht öffentlich davon, dass Soldaten auf hohem Niveau jammern, sie ein mangelndes Verantwortungsbewusstsein für den Staat haben und die Soldaten immer nur ein „Rundumwohlfühlangebot“ mit Erfolgserlebnis wollen.

    Genauso fragt er sich, ob die richtigen Leute oftmals als Spieß oder Chef eingesetzt sind.

    So viel zu eurem obersten militärischen Führer – bildet euch eine eigene Meinung.

    Der Verteidigungsminister:

    • Ist natürlich sehr gut durch seinen Generalinspekteur beraten.
    • Er spricht mittlerweile auch von Gefallenen und sagt: “Wir müssen die Risiken an den Quellen beseitigen, bevor sie in größeren Dimensionen Deutschland erreichen.“

    Warum seid ihr eigentlich nicht beispielsweise in Saudi-Arabien eingesetzt? Dort sitzen die Geldgeber des internationalen Terrorismus. Dort ist die Quelle und dort sind die Rückzugsgebiete im grenznahen Bereich zum Jemen. Und somit sind dort die Quellen und Risiken.

    Das ist nur ein Beispiel.

    Soviel zu eurem politischen Vorgesetzten – bildet euch eure eigene Meinung.

    Der Wehrbeauftragte:

    Hat als ehemaliger Zivildienstleistender natürlich die Kompetenz, euch fach- und sachgerecht zu vertreten.

    • Er sagt: “Wir befinden uns hier im Krieg und ich habe so etwas noch nie erlebt“ (wie denn auch!)
    • Dennoch verbessert er sich nach wenigen Sekunden und spricht nicht mehr von Krieg, sondern nur noch von kriegerischen Auseinandersetzungen.

    Wem steht er näher? Euch? Der Politik?

    Soviel zu eurem Vertreter im deutschen Bundestag – bildet euch eure eigene Meinung.

    • Die Nachrichtendienste gehen davon aus, dass die Taliban die Region um Kundus auserkoren haben und dass es eine Schlacht um Kundus im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im August in Afghanistan und der Bundestagswahlen im September in Deutschland geben wird.
    • Die Verteidigungspolitiker und Verteidigungsexperten des deutschen Bundestages sagen, es geht täglich um Leben und Tod (um das zu erkennen, muss ich nun nicht wirklich Experte sein).

    Nach all diesen wenigen Informationen für euch aus dem Heimatland stellt sich wirklich die Frage:

    Wem soll man was überhaupt noch glauben?

    Sind die richtigen Leute wirklich in den richtigen Positionen um euch und eure Interessen zu vertreten?

    Oder sind es nur Leute, die eigentlich niemals selber eine Waffe in der Hand hatten oder aufgrund ihres Karrieredenkens ihre soldatischen Grundkenntnisse nie vermittelt bekommen haben, sondern sich nur in Hörsälen auf irgendwelchen theoretischen Gefechtsfeldern mit Ruhm bekleckert haben.

    Zu guter Letzt ein Aufruf an die Politik.

    Setzt endlich die richtigen Leute in die richtigen Positionen, um unseren Soldatinnen und Soldaten das Bestmögliche zu geben und vergesst einfach mal für einen kurzen Augenblick die Politik und handelt nach gesundem Menschenverstand.

    Es ist auch immer wieder interessant zu beobachten, dass das öffentliche Interesse an der Hochzeit eines Ex-Tennisidols größer ist, als an den Problemen derer, die täglich ihr Leben für ihr Land einsetzen und nur mit kleinsten Berichten irgendwo erwähnt werden.

    An alle da draußen: Passt auf euch und eure Kameraden auf und kommt unbeschadet an Körper und Geist bald zurück in die Heimat.

    Allzeit Glück ab!

    Achim

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    Aus aktuellem Anlass30/04/09 von Econ

    Es ist wieder passiert.

     

    Ein Kamerad ist gestorben und weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

    Wieder verläuft die Informationspolitik schleppend und wieder wurde das Geschehen nur in Bruchstücken mitgeteilt.

    Natürlich hat unser Außenminister den Fall in gewohnter Art und Weise bedauert und im gleichen Atemzug dem Afghanischen Präsidenten die Unterstützung für die Zukunft zugesagt.

    Zudem betonte unser Herr Außenminister direkt nach dem Verlust eines deutschen Soldaten, dass es eine “erfreuliche Vorwärtsbewegung” in der Zusammenarbeit gibt!!!

    Warum gebt Ihr in Berlin nicht unseren Soldatinnen und Soldaten in den Einsatzländern die gleichen Versprechen und die Unterstützung, die Ihr täglich in den Medien propagiert?

     

     

    Wir trauern mit den Hinterbliebenen und sind in Gedanken bei den Verwundeten.

     

    Achim

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    Es sind ja bald Bundestagswahlen30/04/09 von Econ

    Die Wahlen stehen vor der Tür. Wir werden also wieder mit Zugeständnissen und Versprechen überhäuft. Wir sind keine Politiker, aber dennoch am politischen Geschehen interessiert, wenn es darum geht, etwas für unsere Soldatinnen und Soldaten zu tun.

    Dazu haben wir einen sehr interessanten Kurzbeitrag gefunden. Den Link dazu findet ihr unten.  

     

    Wir haben in letzter Zeit wieder viele E-Mails erhalten, von Heimkehrern und Angehörigen der Bundeswehr aus Afghanistan. Nach Aussage der Leute, die uns diese E-Mails zugeschickt haben, hat sich am Hindukusch nahezu nichts verbessert – ganz im Gegenteil. Und nach wie vor wird die deutsche Öffentlichkeit durch die zensierte Berichterstattung der Politik zum Narren gehalten.

     

    Zum Beispiel:  Vor kurzem gab es einen Anschlag auf eine Bundeswehrpatrouille. Aussage der Bundeswehrführung war es, dass niemand verletzt wurde.

     

    -         Warum bekamen wir unmittelbar nach dem Anschlag Informationen, aus sehr zuverlässiger Quelle, dass doch Soldaten verletzt wurden?

     

    -         Warum hört man eigentlich immer nur, dass Raketen neben dem Lager einschlagen und niemals darin. Sind die kampferprobten Taliban oder Terroristen wirklich so schlechte Schützen, dass sie niemals Ihr Ziel treffen?

     

    -         Warum wird immer wieder behauptet, auch in dem verlinkten Fernsehbeitrag, dass die Bundeswehr nicht im Süden kämpft, während wir aus einigen E-Mails und Gesprächen mit Soldaten genau das Gegenteil erfahren haben?

     

    -         Warum kritisieren hochrangige Ex-Politiker und noch im Amt befindliche Politiker die amerikanische Vorgehensweise in Afghanistan und bringen dennoch zum Ausdruck, wie sehr sie den afghanischen Präsidenten schätzen, wo doch jeder weiß, dass dieser nur eine amerikanische Marionette ist?

     

    -         Warum spricht man davon, dass die afghanischen Regierungsstrukturen nicht korrupt sind, wenn doch nachweisbar hochrangige afghanische Politiker aufgrund von Korruption und auf Druck der amerikanischen Regierung offiziell aus deren Amt entlassen wurden und nun im Hintergrund die Fäden in der Hand halten?

     

    Wenn man unsere Informationen, die wir hier noch sehr weit ausführen könnten, mit den Aussagen der Politik vergleicht, kann man eigentlich nur zu einem Schluss kommen. Die Politik denkt nach wie vor, dass man die Öffentlichkeit und auch gerade die Soldatinnen und Soldaten komplett verarschen kann.

     

    Wir wollten und werden niemals ein politisches Statement abgeben, aber, wieder einmal, werden wir im Vorfeld von Wahlen belogen.

     

    Vor gar nicht allzu langer Zeit wurde Achim von einigen Politikern zu einem Informationsgespräch eingeladen. Man bat ihn darum, Mängel aufzuzeigen, die die Truppe im Einsatzland belasten. Dies hat er dann auch zu Genüge getan und zwar nicht nur auf dieser Homepage. Die Politik wollte Achim als Experten. O-Ton: „Sie (Achim) haben anscheinend sehr gute Informationen von der Truppe“. Und man fragte ihn, warum die Truppe Sorgen und Nöte nicht auf offiziellem Wege bekanntmacht?

    Achims Antwort war kurz und knapp: „Ihnen vertraut niemand, während bei uns die Quellen zu 100% geschützt sind, somit braucht keiner Angst darum zu haben, einen Nachteil zu erleiden.“

    Das sorgte für einen ganz kurzen Augenblick der  Betroffenheit. Dennoch hat sich nach diesen Gesprächen nichts verändert. Niemand auf Seiten der Politik zeigte Interesse, diesen Informationsaustausch aufrechtzuerhalten. Business as usual.

     

    Die Kernaussage der Politiker lautet: „Vielen Dank für das Gespräch. Nun haben wir uns mit ihnen unterhalten und damit etwas getan, was wir uns auf die Fahne schreiben können. Sie sehen also, wir bemühen uns.“ Fazit: Die Politik kann sich kurz vor der Wahl als kommunikativ darstellen.

    Wir sagen dazu: „Vielen Dank für das Gespräch, viel Spaß beim Aussitzen der Probleme und viel Glück weiterhin bei ihrem Verschleiern.“

    Doch wir bleiben im Sinne der Sache am Mann und bitten Euch alle da draußen in den Einsatzländern, schickt uns noch mehr Informationen.

     

    Kameradschaftlichen Gruß an alle in den Einsatzländern, passt auf Euch auf und lasst es Euch gut gehen.

     

    Achim

     

     

    http://www.swr.de/2plusleif/-/id=4252272/did=4640750/pv=video/gp1=4783868/nid=4252272/1j340ea/index.html

     

     

    http://www.swr.de/2plusleif/-/id=4252272/nid=4252272/did=4640746/160rxh6/index.html

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